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20.02.2012 | Archäologie | Speyer

Zwei Papstbullen von der Reichsburg Trifels

Unmittelbar südöstlich von Annweiler, Kr. Südliche Weinstraße, erhebt sich auf dem Gipfel des 500 m hohen Sonnenbergs die Anlage der ehemaligen Reichsburg Trifels.

Am Berghang unterhalb der Burg konnten nun zwei bemerkenswerte Funde geborgen werden.

Annweiler. Bleibulle Hadrians IV. Durchmesser 3,7 cm. Vorderseite.

Annweiler. Bleibulle Hadrians IV. Durchmesser 3,7 cm. Rückseite.

Annweiler. Bleibulle Hadrians IV. Durchmesser 3,5 cm. Vorderseite.

Annweiler. Bleibulle Hadrians IV. Durchmesser 3,5 cm. Rückseite.

Erstmals urkundlich erwähnt wird die Burg Ende des 11. Jahrhunderts, wenig später ist sie als Reichsburg belegt. Im 12. und 13. Jahrhundert kam ihr als Gefängnisstätte ranghoher Persönlichkeiten und Aufbewahrungsort der Reichsinsignien herausragende Bedeutung zu. Mit dem Ende des Interregnums 1273 endete auch die Blütezeit der Burg. Nach Ausbauten im Spätmittelalter und Reparaturmaßnahmen im 16. Jahrhundert brannte ein Großteil der Anlage 1602 nach einem Blitzeinschlag ab, verfiel und wurde in der Folge als Steinbruch genutzt. Erste Ausgrabungen erfolgten 1937/38. Man begann damals den nur geringfügig an bauhistorischen Befunden ausgerichteten Wiederaufbau der Burg, die zu einer nationalen Gedenkstätte umgewandelt werden sollte. 1945/46 fanden diese Bestrebungen ihren Abschluss.

Am Berghang unterhalb der Burg konnten nun zwei bemerkenswerte Funde geborgen werden. Auf der Nordost- und Südostseite kam jeweils eine Bleibulle Papst Hadrians IV. (1154–1159) zum Vorschein (Abb. 1a/b u. 2a/b). Die Bullen zeigen die seit Paschalis II. (1099–1118) übliche Vorderseite mit den von einer punktierten Linie eingefassten Portraits der Apostel Paulus und Petrus unter der Aufschrift SPASPE (Abkürzung für Sanctus Paulus Sanctus Petrus), dazwischen ein lateinisches Kreuz, während sich auf der Rückseite die dreizeilige Nennung des Papstes einschließlich Titel und Ordnungszahl (hier: ADRI ANVS P[A]P[A] IIII) befindet. Die Siegelfelder werden ebenfalls von einer punktierten Linie umrahmt.
Unter welchen Umständen die beiden Bleisiegel zur Burg gelangten, ist ungewiss. Die stets kreisförmige Bleibulle (Bulla plumbea) wurde als allgemein übliches Beglaubigungsmittel mit Hanf- oder Seidenfäden an päpstlichen Dokumenten befestigt. Möglicherweise hingen die Bullen an Schriftstücken, die für Friedrich I. Barbarossa (1152–1190) bestimmt waren. Im Juni 1155 wurde er von Papst Hadrian in Rom zum Kaiser gekrönt. Noch im Dezember desselben Jahres ist ein Aufenthalt Barbarossas auf Burg Trifels urkundlich nachweisbar. Vielleicht empfing Friedrich die päpstlichen Sendungen zu dieser Zeit auf dem Trifels oder brachte sie nach seiner Rückkehr von Italien mit dort hin.
Das Verhältnis zwischen Hadrian und Friedrich Barbarossa war geprägt von schwerwiegenden Konflikten, vor allem um die Autorität des Papstes. In der Folge sollte Friedrich mit dem Kirchenbann belegt werden. Dazu kam es aber nicht mehr, weil Hadrian kurz zuvor starb.

Sven Gütermann

 

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