Das Archäologische Schaufenster Speyer

Abb. 1 Blick auf das Archäologische Schaufenster mit Vorplatz von der Gilgenstraße aus.
Abb. 1 Blick auf das Archäologische Schaufenster mit Vorplatz von der Gilgenstraße aus.
Abb. 2 Der Schauraum ist auf drei Seiten von großzügig gestalteten Wandvitrinen umgeben (hier: römische Hypokaustanlage aus einer Grabung im Speyerer Stadtkern).
Abb. 2 Der Schauraum ist auf drei Seiten von großzügig gestalteten Wandvitrinen umgeben (hier: römische Hypokaustanlage aus einer Grabung im Speyerer Stadtkern).
Abb. 3 Der Besucher kann direkt in die „Gläserne Werkstatt“ schauen, in der vorne am Glasfenster Beispiele der vielfältigen Arbeit des archäologischen Restaurators – in unterschiedlichen Bearbeitungsstadien – zu bestaunen sind.
Abb. 3 Der Besucher kann direkt in die „Gläserne Werkstatt“ schauen, in der vorne am Glasfenster Beispiele der vielfältigen Arbeit des archäologischen Restaurators – in unterschiedlichen Bearbeitungsstadien – zu bestaunen sind.
Abb. 4 Blick in einen der Depoträume mit Arbeitstischen an den Fenstern. Zurzeit werden hier menschliche Überreste aus der Jungsteinzeitanlage in Herxheim untersucht.
Abb. 4 Blick in einen der Depoträume mit Arbeitstischen an den Fenstern. Zurzeit werden hier menschliche Überreste aus der Jungsteinzeitanlage in Herxheim untersucht.
Abb. 5 Der Hof des Schaufensters bietet Platz für Grabungsmaterial – und die Grabungstechniker können Fundmaterial von den Ausgrabungen direkt hier ausladen.
Abb. 5 Der Hof des Schaufensters bietet Platz für Grabungsmaterial – und die Grabungstechniker können Fundmaterial von den Ausgrabungen direkt hier ausladen.
Abb. 6 Restaurator Ludger Schulte bei der Arbeit in der Gläsernen Werkstatt.
Abb. 6 Restaurator Ludger Schulte bei der Arbeit in der Gläsernen Werkstatt.
Abb. 7 Ein merowingerzeitliches Steinkistengrab
Abb. 7 Ein merowingerzeitliches Steinkistengrab mit der Andeutung des ehemals darüber aufgeschütteten Hügels in Form einer halbrunden Metallplatte hinter dem Grab beherrscht zentral den Vorplatz des Archäologischen Schaufensters zur Gilgenstraße hin. Rechts dahinter der „Zeittunnel“ als Eingang in den Ausstellungsraum.
Abb. 8 Der überdachte Säulengang an der Großen Gailergasse verweist direkt auf römische Vorbilder.
Abb. 8 Der überdachte Säulengang an der Großen Gailergasse verweist direkt auf römische Vorbilder.
Abb. 9 Vitrinen-Fenster in den nachempfundenen Fronten römischer Streifenhäuser am Archäologischen Schaufenster – zurzeit mit römischer und frühmittelalterlicher Keramik bestückt.
Abb. 9 Vitrinen-Fenster in den nachempfundenen Fronten römischer Streifenhäuser am Archäologischen Schaufenster – zurzeit mit römischer und frühmittelalterlicher Keramik bestückt.
Abb. 10 Eine der Ausstellungen der vergangenen Jahre zeigte Grabungsfunde aus mehreren vorrömischen Epochen aus Impflingen in der Südpfalz.
Abb. 10 Eine der Ausstellungen der vergangenen Jahre zeigte Grabungsfunde aus mehreren vorrömischen Epochen aus Impflingen in der Südpfalz.

Das „Archäologische Schaufenster“ der Landesarchäologie – Speyer (Abb. 1) kann nun schon bald sechsjähriges Bestehensjubiläum feiern. Am 20.6.2006, pünktlich zum Beginn des damaligen Rheinland-Pfalz-Tages, wurden die Ausstellungsräume im Beisein des Oberbürgermeisters von Speyer und des Generaldirektors der GDKE eingeweiht. Ursprünglich hatte die Außenstelle Speyer der Landesarchäologie nur nach neuen Depoträumen für die Unterbringung der ständig anwachsenden Zahl archäologischer Funde aus Grabungen der Dienststelle und der Einlieferung durch ehrenamtliche Mitarbeiter gesucht – herausgekommen bei der Suche war die Örtlichkeit in der Gilgenstraße 13.
Neben neuen Depoträumen im Obergeschoss beherbergt das „Archäologische Schaufenster“ einen musealen Schauraum für wechselnde Ausstellungen (Abb. 2) sowie die „Gläserne Werkstatt“, eine Dependance der Restaurierungswerkstätten der Dienststelle in der Kleinen Pfaffengasse, die Besuchern des Archäologischen Schaufensters die Möglichkeit bietet, dem Restaurator Ludger Schulte bei seiner Arbeit hautnah zuzusehen (Abb. 3).
Darüber hinaus ist in der Gilgenstraße 13 auch das Arbeitsbüro des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft seit 2004 geförderten Forschungsprojektes „Bandkeramische Siedlung mit Grubenanlage von Herxheim bei Landau“ untergebracht. Die beiden hier arbeitenden Projektteammitglieder, Fabian Haack M.A. (Bearbeitung von Siedlungs- und Erdwerksbefunden von Herxheim, Tierknochenartefakte, Schmuck) und Silja Bauer M.A. (Bearbeitung von Menschenknochen aus der Rettungsgrabung in Herxheim 1996-99) profitieren von den großzügigen Arbeitstischen im Obergeschoss (Abb. 4), die ein gleichzeitiges Auslegen zahlreicher Fundobjekte ermöglichen (auch Computeranschluss sowie Binokular gehören zur Ausstattung der Arbeitsflächen im Depot) sowie von der guten Computerausstattung mit digitaler Anbindung an den Amtsserver in der Kleinen Pfaffengasse.
Im Hof des Archäologischen Schaufensters ist darüber hinaus Platz für Grabungsinventar wie Materialcontainer, Anhänger und Grabungszelte (Abb. 5).
Die „Gläserne Werkstatt“ erlaubt nicht nur den Blick über die Schulter des Restaurators (Abb. 6), die Besucher können darüber hinaus einmal erleben, mit welchen Apparaturen die moderne Restaurierung arbeitet und wie vielfältig das Arbeitsfeld des archäologischen Fundrestaurators ist. Öffnet gar erst Ludger Schulte sein Gläsernes Schaufenster und beantwortet die häufig zahlreichen Fragen der interessierten Besucher, so ist ein längeres Verweilen eigentlich ein Muss. Mit viel Enthusiasmus und breit gestreutem Fachwissen erläutert Schulte seine verschiedenen Arbeitsweisen und weiß zu fast allen der Funde, die er bearbeitet, spannende Geschichten über Fundumstände, Herkunft oder Verwendung in vergangenen Zeiten zu erzählen. Für angemeldete Gruppen wie z.B. Schulklassen packt er auch schon einmal sein „Römerservice“ aus – in hoher Qualität reproduzierte Terra-Sigillata-Töpfe, -Becher und -Schüsseln – das „Sonntagsgeschirr“ der Römer – und erklärt die Verwendung der einzelnen Gefäße.
Der großzügig bemessene Außenbereich des Schaufensters zur Gilgenstraße hin ist mit mehreren Blickfängen bestückt, welche nicht nur die „Laufkundschaft“, Speyer besuchende Touristen, auf mehr neugierig machen sollen. Im Zentrum des Vorplatzes ist das Modell eines fränkischen Hügelgrabes – komplett mit Original-Steinplattengrab in der Mitte – aufgebaut (Abb. 7); römische Sarkophage und profilierte Architekturteile mittelalterlicher Provenienz rahmen das als „Zeittunnel“, durch den der Besucher in die Vergangenheit abtaucht, gestaltete Eingangsportal des Archäologischen Schaufensters. Zur Großen Gailergasse hin wird der Außenbereich des Schaufensters durch das Modell einer römischen Straßenfront abgeschlossen, wie sie in den Dörfern und Kleinstädten der römischen Provinzen üblich war: An der Straßenseite der sog. „Streifenhäuser“ (jedes Haus saß dicht an dem nächsten mit der Giebelfront zur Straße, auf langen, schmalen „Streifen“-Grundstücken) befand sich ein durchgehender Dachüberhang, der von Säulen getragen wurde und den Bewohnern bei schlechtem Wetter ermöglichte, trockenen Fußes durch den Ort zu gehen (Abb. 8). Schöne Sandsteinsäulen repräsentieren diese typische Bauweise in der Gilgenstraße; in den durch eine Betonwand stilisiert dargestellten Häusern hinter dem Säulengang sind in eingesetzten fensterartigen Glaskästen Fundstücke aus der Vor- und Frühgeschichte der Pfalz zu bewundern (Abb. 9).
Kernstück des Archäologischen Schaufenstern ist aber der Ausstellungsraum, der mit drei großen Wandvitrinen und mehreren, wechselweise einsetzbaren Standvitrinen hervorragende Möglichkeiten bietet, in Form wechselnder Ausstellungen Einblicke in die Arbeit und die Ergebnisse der pfälzischen Landesarchäologie zu geben. So haben in den Jahren seit der Eröffnung des Archäologischen Schaufensters etwa römische Gräberfunde, „Müll der Vorgeschichte“ (Abb. 10) aus den Abfallgruben stein-, bronze- und eisenzeitlicher Siedlungen oder reich bestückte Brandgräber der späten Bronzezeit, neben diversen anderen Themen hier bereits eine erkleckliche Anzahl an neugierigen Besuchern gesehen (zur aktuellen Ausstellung siehe Rubrik „Ausstellungen“). Dieses Schaufenster ist zum einen für die Archäologische Denkmalpflege ein hervorragendes Aushängeschild für ihre vielfältigen Einsätze zum Schutz und zur Rettung archäologischen Kulturgutes in der Pfalz. Zum anderen bietet es den Bewohnern von Speyer ebenso wie angereiste Besuchern der Stadt die Möglichkeit, sich über die Arbeit der GDKE – Speyer und über die vielfältigen Zeugnisse der abwechslungsvollen Vor- und Frühgeschichte der Pfalz direkt und anschaulich zu informieren.

Andrea Zeeb-Lanz

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