Grabungsführungen sind sehr beliebt…

Kleinfischlingen_Aufmerksame_Besucher_lauschen_Erklärungen_des_Grabungsleiters
Kleinfischlingen | Aufmerksame Besucher lauschen Erklärungen des Grabungsleiters
Kleinfischlingen | Besucher vor Beginn der Führung
Kleinfischlingen | Eine der Führungsgruppen bei Besichtigung Skelett
Kleinfischlingen | Eine der Führungsgruppen bei Besichtigung Skelett
Kleinfischlingen | Fundschau am Grabungsbüro
Kleinfischlingen | Fundschau am Grabungsbüro
Kleinfischlingen | Einführung durch A. Zeeb-Lanz
Kleinfischlingen | Einführung durch A. Zeeb-Lanz
Insheim | Zwei Gräber mit sehr unterschiedlicher Erhaltung
Insheim | Zwei Gräber mit sehr unterschiedlicher Erhaltung
Insheim | Spektakulärere Grabkammerbefund
Insheim | Spektakulärere Grabkammerbefund
Insheim | Ganz junge sehr interessierte Besucherin
Insheim | Ganz junge sehr interessierte Besucherin

Außerordentlich gute Beteiligung an Führungen der GDKE – Speyer über die Rettungsgrabungen in Kleinfischlingen und Insheim.

Für die Bürger von Gemeinden, in denen wir graben, sind unsere Aktivitäten offenbar in den allermeisten Fällen von hohem Interesse. Nicht nur kommen immer wieder während der Grabungszeit neugierige Anwohner und schauen, was gerade so aus dem Boden kommt. Sondern auch die öffentlichen Führungen, die wir regelmäßig auf interessanten Grabungen durchführen, sind meist gut besucht.
Mehr als gut besucht waren die Führungen auf den beiden Merowinger-Friedhöfen, welche zurzeit von der GDKE – Speyer in Kleinfischlingen und Insheim untersucht werden. Die erste der beiden Führungen, die am 17.07.2012 stattfand, konnte mit fast 100 Besuchern schon einen beachtlichen Erfolg verbuchen. Aufgrund des großen Andranges wurden die Interessierten nach einer Einführung für alle durch die wissenschaftliche Grabungsleiterin, Dr. Andrea Zeeb-Lanz, dann in zwei Gruppen über die Ausgrabung geführt. Das Grabungsteam, das auch noch abends zur Stelle war, um nach Führungsende alle Befunde wieder abzudecken, hatte mehrere interessante Areale präpariert, so dass sich die Besucher sowohl fertig ausgegrabene Grabgruben, als auch gerade erst begonnene Gräber anschauen konnten. Michael Münzer, der örtliche Grabungsleiter, erklärte anhand der Befunde anschaulich die Technik, mit der Bestattungen freigelegt und dokumentiert werden. Highlights waren bei der Führung sicher aber die ungestörten, säuberlich freigeputzten Skelettgräber, die für die Besichtigung extra noch im Boden verblieben waren. Außerdem konnten sich die vielen Interessierten nach Ende der Führung auf der Fläche bereits eine ganze Reihe von Funden anschauen, die Restaurator Ludger Schulte eigens zu diesem Zweck auf die Grabung gebracht hatte. Das Fundmaterial stammt allerdings bislang nicht aus den fränkischen Gräbern, die größtenteils beraubt waren, oder aber keine Beigaben enthielten, sondern aus der frühkeltischen Siedlung, von der sich eine ganze Reihe an Abfallgruben auf der Fläche des späteren fränkischen Friedhofs befinden (wir berichteten). Neben zahlreichen Keramikfunden ist auch ein einfaches tönernes Webgewicht zu nennen, das trotz seines unspektakulären Aussehens doch die wichtige Information vermittelt, dass die frühen Kelten hier in Kleinfischlingen auch Textilien gewebt hatten. Mit einem Umtrunk, gestiftet von der Gemeinde, klang der Führungsabend – bei bestem Sommerwetter – gemütlich aus.

Sechs Tage darauf, am 25.07.2012, war es auch im Gräberfeld von Insheim so weit: Das dortige Grabungsteam hatte ebenfalls umsichtig dafür gesorgt, dass mehrere spannende Befunde zu besichtigen waren. Bereits weit vor dem angesetzten Führungsbeginn wurde deutlich, dass man die Besucher auch hier in Gruppen würde aufteilen müssen. Die ersten ca. 100 Interessierten schwärmten schon gegen 18 Uhr auf die Fläche aus, um erste Blicke auf die sicherheitshalber mit Flatterband umzäunten Befunde zu werfen. Um 18.30 Uhr, am Beginn der Führung, hatten sich dann mehr als 200 Besucher eingefunden. Um alle Anwesenden mit ihren einführenden Worten auch erreichen zu können, musste die wissenschaftliche Grabungsleiterin, Dr. Andrea Zeeb-Lanz, sich schon einen höheren Abraumhügel als Standort aussuchen. In drei immer noch großen Gruppen wurden dann die verschiedenen Stationen der Führung abwechselnd in Augenschein genommen; Grabungsleiter Dr. Sebastian Traunmüller, Vorarbeiter Frank Krämer und Andrea Zeeb-Lanz hatten bei den Führungen einen ganzen Ansturm interessierter Fragen zu beantworten. Neben zwei ungestörten Bestattungen, von denen eine jedoch durch Pflanzenfraß ziemlich zerstört war, konnten die Besucher die Grabungsgrube eines über zwei Meter tiefen Kammergrabes bestaunen; interessanterweise liegen die meisten Gräber in Insheim sehr viel tiefer als im nicht weit entfernten Kleinfischlingen. Der wohl spannendste Befund war ein Kammergrab, dessen Holzwände und –konstruktionen von Kalkablagerungen vorzüglich abgebildet worden waren. Das Grabungsteam hatte die Kalkkonzentrationen sorgfältig freigeputzt, so dass man sich einen guten Eindruck von der ehemaligen Holzkonstruktion machen konnte.
Aus diesem, aber auch weiteren, meist teilberaubten Gräbern stammt bereits eine beachtliche Anzahl an Fundstücken, welche die Besucher – wenn auch im noch unrestaurierten Zustand – nach der Führung auf der Fläche begutachten konnten. Neben einem fein gearbeiteten Knochenkamm gehören bereits bunte Perlen, bronzene Gürtelschnallen und zungenförmige Gürtelanhänger ebenso zum Fundgut wie mehrere ganz erhaltene und teils aufwändig verzierte Tongefäße. Diese und weitere Funde fanden großes Interesse bei den Teilnehmern der Führung, wobei gerade die Jugend, die gut vertreten war, ihre Liebe für die fränkischen Kleinfunde entdeckte.

Auf den Grabungen soll es, je nach Grabungsfortschritt, im Herbst weitere Führungen geben, wenn sich wieder besonders aufschlussreiche und interessante Gräber und Funde hierfür anbieten. Das große Interesse in der Bevölkerung, das sich an den Besucherzahlen der ersten Führungen in Kleinfischlingen und Insheim ablesen lässt, zeigt deutlich, dass Archäologie heute keineswegs mehr eine „Wissenschaft im Elfenbeinturm“ ist, sondern dass viele Bürger reges Interesse an ihrem gemeinsamen kulturellen Erbe aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit haben.

Für weitere Informationen und Bilder zu den Grabungen bitte den Links folgen:
http://www.insheim.de/aktuell/ausgrabungen.html
http://www.kleinfischlingen.de/aktuell/grabungsfuehrung_17_07_2012.pdf

Andrea Zeeb-Lanz



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