Lehrgrabungen ab 2008 in der linienbandkeramischen Siedlung von Haßloch, Kr. Bad Dürkheim
Seit den frühen 1980er Jahren war am östlichen Ortsrand von Haßloch eine größere Siedlung der frühesten Ackerbauern in der Pfalz (linienbandkeramische Kultur, ca. 5300–4950 v. Chr.) aufgrund von Luftbildern bekannt (Abb. 1). Ihre Besonderheit: erstmalig für die Pfalz konnten zahlreiche Hausgrundrisse der bandkeramischen Ackerbauern als Bewuchsspuren im Getreide erkannt werden. Dies ist für die Pfalz eine Ausnahme, sind doch im seit 7000 Jahren intensiv ackerwirtschaftlich bearbeiteten Boden der Vorderpfalz die meisten Hausreste der Jungsteinzeit bereits erodiert und vom Pflug zerstört.
Um festzustellen, ob sich – 20 Jahre nach den Luftbildaufnahmen –noch Reste dieser großen Häuser erhalten hatten, war bereits im Jahr 2002 von der Direktion Landesarchäologie Speyer hier eine erste Grabung durchgeführt worden (Zeeb-Lanz/Fischer 2003), die von der Gemeinde Haßloch dankenswerterweise finanziell unterstützt wurde. Tatsächlich ließen sich analog zu den Luftbildbefunden die Spuren von vier Hausgrundrissen in der Ausgrabungsfläche dokumentieren (Abb. 2).
Die charakteristischen Langhäuser der Bandkeramik weisen häufig im Nordwestteil einen U-förmigen Wandgraben auf, in dem eine Wand aus Spaltbohlen gestanden hatte, während der Mittel- und Südteil des Hauses aus mit zwischen Pfosten eingearbeiteten Flechtwerkwänden bestand; diese wurden dann mit Lehm, vermischt mit gehäckseltem Stroh, verkleidet (Abb. 3). Die typischen Wandgräbchen zeichneten sich auch – wie bereits im Luftbild erkennbar – als dunkle Gräbchen im hellen kiesigen Boden der Siedlungsfläche ab (Abb. 4). Dieser Untergrund stellte für die Ausgräber eine Überraschung dar, siedelten die Bandkeramiker doch in der Regel bevorzugt auf Lößboden – hier konnten sie den anstehenden Lehm gleich vor Ort für die Wandverkleidungen ihrer Wohnhäuser verwenden, wie üblicherweise lange Gruben an den Hauswänden, die sog. Hauslängsgruben, belegen. Diese fehlen in Haßloch, was angesichts des Kiesbodens, auf dem die Häuser der Siedlung standen, nicht verwundert. Den für den Hausbau benötigten Lößlehm mussten sich die Haßlocher Siedler aus einer Entfernung von ca. 800 m heranholen.
Die Ausgrabung 2002 war als Anfang einer sukzessiven Freilegung der gesamten Siedlung geplant, liegt doch das archäologische Denkmal direkt am östlichen Rand der heutigen Ortschaft, wo eine zukünftige Nutzung der heute noch ackerbaulich genutzten Flächen mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen ist, durch die dann die Überreste der bandkeramischen Siedlung zerstört würden. Diesem drohenden Schicksal will die Direktion Landesarchäologie Speyer durch präventive Ausgrabungen kleinerer Siedlungsabschnitte entgegenwirken. Hier traf es sich günstig, dass das Institut für Vor- und Frühgeschichte der Universität Heidelberg (Institutsleitung: Prof. Dr. Joseph Maran) für das Jahr 2008 ein geeignetes Objekt für eine Lehrgrabung suchte; für die Studenten ist es ein wichtiger Teil ihres Studiums, die Feldarbeit auf der Grabung unter Anleitung zu lernen. In einem Kooperationsprojekt zwischen Denkmalpflege und Universität wurde ein weiterer kleiner Teilbereich der bandkeramischen Siedlung für eine Lehrgrabung ausgesucht; glücklicherweise zeigte sich der Pächter des betreffenden Ackers, Herr Löchner, der auch schon die Ausgrabung der Denkmalpflege auf seinem Anbaugelände wohlwollend genehmigt hatte, wiederum sehr kooperativ und genehmigte dem Team der Universität das ausgesuchte Geländestück für eine archäologische Untersuchung. Die hervorragende Unterstützung durch die Gemeinde Haßloch, die für wichtige Ausstattungsteile der Baustelleneinrichtung sorgte und einen Bauwagen bereitstellte, erleichterte die Vorbereitungen der Lehrgrabung erheblich; hier ist insbesondere Herrn Bub von der Gemeindeverwaltung für seinen unermüdlichen Einsatz für unsere Belange herzlich zu danken. Darüber hinaus hatte die Gemeinde wiederum großzügig eine finanzielle Unterstützung der Ausgrabung „ihres“ steinzeitlichen Denkmals in den Haushalt für 2008 eingestellt.
Im Gegensatz zu Rettungsgrabungen der archäologischen Denkmalpflege verfügt eine Lehrgrabung über ein wichtiges Potential: „man- und frauenpower“ in ungeahnten Ausmaßen. So tummelten sich zeitweise fast 30 Studierende (Abb. 5) unter der örtlichen Grabungsleitung von Dr. Roland Prien und Dr. Carsten Casselmann auf der nicht sehr großen Ausgrabungsfläche. Unterstützt wurde das Heidelberger Uniteam in Fragen der Vermessung und der Dokumentation vom Grabungstechniker der Direktion Landesarchäologie – Speyer sowie in fachlichen Fragen seitens der Verfasserin.
Ein Bagger wurde lediglich für den Abtrag des Oberbodens in Anspruch genommen, alle weiteren Tieferlegungen der Oberfläche erfolgten durch Handabtrag (Abb. 6). So mancher Erstsemestler ging in den ersten Tagen der sechswöchigen Grabungsdauer mit Blasen an den Händen nach Hause; diese sollten sich aber im Laufe der Grabung in „feldarchäologiegerechte“ Schwielen verwandeln.
Die Möglichkeit, aufgrund der vielen Grabungsteilnehmer alle Erdarbeiten von Hand auszuführen und den Erdboden sukzessive in dünnen Schichten abzutragen, ermöglichte Beobachtungen und Funddokumentationen, die bei „normalen“ Rettungsgrabungen der Denkmalpflege mangels Zeit, Arbeitskräften und Finanzmitteln in der Regel nur eingeschränkt realisierbar sind. Insofern stellten die Beobachtungen während der Lehrgrabung eine höchst willkommene Ergänzung und Erweiterung der Erkenntnisse dar, die bei der ersten Grabung 2002 gewonnen worden waren. Die Ergebnisse waren so interessant, dass es auch Institutsleiter Prof. Joseph Maran häufig auf die Grabungsfläche nach Haßloch zog.
Bereits in den Schichten knapp unter der Humusdecke, in denen aufgrund einer nachneolithischen Bodenbildung keine Befunde wie Gruben, Gräbchen oder Pfostenstandorte erkennbar waren, ließen sich aber Konzentrationen von Funden feststellen, die auf das Vorhandensein archäologischer Strukturen hindeuteten. Die Fundansammlungen wurden akribisch dokumentiert, eingemessen und geborgen; dabei konnten, die frühneolithischen Befunde teils überlagernd, überraschenderweise auch Belege für eine mittelneolithische Besiedlung des Areals (Rössener Kultur, ca. 4600–4300 v. Chr.) identifiziert werden.
Die per Hand abzutragenden Bodenschichten, bis das Niveau erreicht war, auf dem die anhand der Luftbilder zu postulierenden bandkeramischen Hausgrundrisse erkennbar werden würden, erwiesen sich als mächtiger denn vermutet. Deshalb wurde, um zumindest einen Teilbereich der abgeschobenen Fläche bis zum Ende der Grabungszeit ordnungsgemäß fertig graben und dokumentieren zu können, die Gesamtfläche halbiert und die Arbeit auf die nördliche Hälfte konzentriert. Hier gelang es dann auch am Ende der Kampagne, die ersten Nordwest-Wandgräbchen zweier bandkeramischer Häuser zu identifizieren.
Um die andere Teilfläche aber auch während dieser Grabungszeit noch sinnvoll auszunutzen, wurde ins Auge gefasst, hier eine geophysikalische Prospektion durchzuführen, um, ohne die störenden modernen Metallreste, die sich normalerweise im Ackerhorizont finden, einen besseren Überblick über die bei einer Folgegrabung zu erwartenden Befunde zu gewinnen. Die geomagnetische Prospektion wurde dankenswerterweise von Thomas Link M.A., Universität Würzburg, unterstützt von einigen Archäologiestudenten, durchgeführt und erbrachte unerwartet klare und vielversprechende Ergebnisse (Link 2008).
Im Frühjahr 2009 erfolgte eine weitere Lehrgrabung in Haßloch, bei der die zweite Teilfläche untersucht wurde, die bei Grabungsende der Kampagne 2008 mit Geoflies abgedeckt und dann zum Schutz der Befunde wieder überschüttet worden war. Wie erwartet wurden dabei die bereits in der Geoprospektion erkannten vier einander überschneidenden Hausgrundrisse freigelegt. Die Mehrphasigkeit der bandkeramischen Siedlung, die bereits aufgrund der Ergebnisse der Grabung der Direktion Landesarchäologie Speyer im Jahr 2002 bekannt war, erfuhr somit durch die Ergebnisse der Kampagnen 2008 und 2009 eine erneute Bestätigung.
Im Jahr 2011 wurden die Arbeiten im Areal der bandkeramischen Siedlung wiederum mit einer Lehrgrabung der Universität Heidelberg, unter der örtlichen Leitung von Dr. Carsten Casselmann, fortgesetzt; sobald die Grabungsdokumentation fertig gestellt und ein erster Überblick über das Fundmaterial gewonnen worden ist, soll auch über diese Kampagne berichtet werden. Auch für die kommenden Jahre sind weitere Kooperationsprojekte mit dem Institut für Vor- und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie im Bereich von Lehrgrabungen in Haßloch geplant.
Andrea Zeeb-Lanz
Literatur:
Link 2008
Th. Link, Geomagnetische Prospektion der bandkeramischen Siedlung Haßloch.
www.vfg.uni-wuerzburg.de/forschung/projekte/magnetometer_prospektionen/bandkeramische_siedlung_hassloch/
Zeeb-Lanz/Fischer 2003
A.Zeeb-Lanz/Bernd Fischer, Linearbandkeramische Siedlung Hassloch, Kreis Bad Dürkheim. Erste bandkeramische Hausgrundrisse der Pfalz freigelegt. Archäologie in Rheinland-Pfalz 2002 (2003) 21-23.











![Abb 1: Spelzgerste (Hordeum vulgare/distichon; [Maßstab in allen Abbildungen = 1mm] Abb 1: Spelzgerste (Hordeum vulgare/distichon; [Maßstab in allen Abbildungen = 1mm]](typo3temp/pics/9508af4cef.jpg)



