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Grabungen

Grabungen

Kooperation zwischen Universität Heidelberg und Direktion Landesarchäologie Speyer:

Abb. 1 Luftbild der bandkeramischen Siedlung von Haßloch.
Abb. 1 Luftbild der bandkeramischen Siedlung von Haßloch.
Abb. 2 Grabungsplan der Kampagne 2002 mit den farbig unterlegten vier bandkeramischen Hausgrundrissen.
Abb. 2 Grabungsplan der Kampagne 2002 mit den farbig unterlegten vier bandkeramischen Hausgrundrissen.
Abb. 3 Modell eines bandkeramischen Langhauses.
Abb. 3 Modell eines bandkeramischen Langhauses.
Abb. 4 Im Kiesboden erkennbare Nordwestwandgräbchen bandkeramischer Häuser in der Ausgrabung der Direktion Speyer im Jahr 2002.
Abb. 4 Im Kiesboden erkennbare Nordwestwandgräbchen bandkeramischer Häuser in der Ausgrabung der Direktion Speyer im Jahr 2002.
Abb. 5 Die Studenten der Universität Heidelberg im Einsatz auf der Grabungsfläche.
Abb. 5 Die Studenten der Universität Heidelberg im Einsatz auf der Grabungsfläche.
Abb. 6 Zeichen- und Grabungsarbeiten auf der Fläche der Lehrgrabung.
Abb. 6 Zeichen- und Grabungsarbeiten auf der Fläche der Lehrgrabung.
Abb. 7 Verzierte Scherben der Bandkeramik aus der Grabungskampagne 2002.
Abb. 7 Verzierte Scherben der Bandkeramik aus der Grabungskampagne 2002.

Lehrgrabungen ab 2008 in der linienbandkeramischen Siedlung von Haßloch, Kr. Bad Dürkheim

Seit den frühen 1980er Jahren war am östlichen Ortsrand von Haßloch eine größere Siedlung der frühesten Ackerbauern in der Pfalz (linienbandkeramische Kultur, ca. 5300–4950 v. Chr.) aufgrund von Luftbildern bekannt (Abb. 1). Ihre Besonderheit: erstmalig für die Pfalz konnten zahlreiche Hausgrundrisse der bandkeramischen Ackerbauern als Bewuchsspuren im Getreide erkannt werden. Dies ist für die Pfalz eine Ausnahme, sind doch im seit 7000 Jahren intensiv ackerwirtschaftlich bearbeiteten Boden der Vorderpfalz die meisten Hausreste der Jungsteinzeit bereits erodiert und vom Pflug zerstört.

Um festzustellen, ob sich – 20 Jahre nach den Luftbildaufnahmen –noch Reste dieser großen Häuser erhalten hatten, war bereits im Jahr 2002 von der Direktion Landesarchäologie Speyer hier eine erste Grabung durchgeführt worden (Zeeb-Lanz/Fischer 2003), die von der Gemeinde Haßloch dankenswerterweise finanziell unterstützt wurde. Tatsächlich ließen sich analog zu den Luftbildbefunden die Spuren von vier Hausgrundrissen in der Ausgrabungsfläche dokumentieren (Abb. 2).

Die charakteristischen Langhäuser der Bandkeramik  weisen häufig im Nordwestteil einen U-förmigen Wandgraben auf, in dem eine Wand aus Spaltbohlen gestanden hatte, während der Mittel- und Südteil des Hauses aus mit zwischen Pfosten eingearbeiteten Flechtwerkwänden bestand; diese wurden dann mit Lehm, vermischt mit gehäckseltem Stroh, verkleidet (Abb. 3). Die typischen Wandgräbchen zeichneten sich auch – wie bereits im Luftbild erkennbar – als dunkle Gräbchen im hellen kiesigen Boden der Siedlungsfläche ab (Abb. 4). Dieser Untergrund stellte für die Ausgräber eine Überraschung dar, siedelten die Bandkeramiker doch in der Regel bevorzugt auf Lößboden – hier konnten sie den anstehenden Lehm gleich vor Ort für die Wandverkleidungen ihrer Wohnhäuser verwenden, wie üblicherweise lange Gruben an den Hauswänden, die sog. Hauslängsgruben, belegen. Diese fehlen in Haßloch, was angesichts des Kiesbodens, auf dem die Häuser der Siedlung standen, nicht verwundert. Den für den Hausbau benötigten Lößlehm mussten sich die Haßlocher Siedler aus einer Entfernung von ca. 800 m heranholen.

Die Ausgrabung 2002 war als Anfang einer sukzessiven Freilegung der gesamten Siedlung geplant, liegt doch das archäologische Denkmal direkt am östlichen Rand der heutigen Ortschaft, wo eine zukünftige Nutzung der heute noch ackerbaulich genutzten Flächen mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen ist, durch die dann die Überreste der bandkeramischen Siedlung zerstört würden. Diesem drohenden Schicksal will die Direktion Landesarchäologie Speyer durch präventive Ausgrabungen kleinerer Siedlungsabschnitte entgegenwirken. Hier traf es sich günstig, dass das Institut für Vor- und Frühgeschichte der Universität Heidelberg (Institutsleitung: Prof. Dr. Joseph Maran) für das Jahr 2008 ein geeignetes Objekt für eine Lehrgrabung suchte; für die Studenten ist es ein wichtiger Teil ihres Studiums, die Feldarbeit auf der Grabung unter Anleitung zu lernen. In einem Kooperationsprojekt zwischen Denkmalpflege und Universität wurde ein weiterer kleiner Teilbereich der bandkeramischen Siedlung für eine Lehrgrabung ausgesucht; glücklicherweise zeigte sich der Pächter des betreffenden Ackers, Herr Löchner, der auch schon die Ausgrabung der Denkmalpflege auf seinem Anbaugelände wohlwollend genehmigt hatte, wiederum sehr kooperativ und genehmigte dem Team der Universität das ausgesuchte Geländestück für eine archäologische Untersuchung. Die hervorragende Unterstützung durch die Gemeinde Haßloch, die für wichtige Ausstattungsteile der Baustelleneinrichtung sorgte und einen Bauwagen bereitstellte, erleichterte die Vorbereitungen der Lehrgrabung erheblich; hier ist insbesondere Herrn Bub von der Gemeindeverwaltung für seinen unermüdlichen Einsatz für unsere Belange herzlich zu danken. Darüber hinaus hatte die Gemeinde wiederum großzügig eine finanzielle Unterstützung der Ausgrabung „ihres“ steinzeitlichen Denkmals in den Haushalt für 2008 eingestellt.

Im Gegensatz zu Rettungsgrabungen der archäologischen Denkmalpflege verfügt eine Lehrgrabung über ein wichtiges Potential: „man- und frauenpower“ in ungeahnten Ausmaßen. So tummelten sich zeitweise fast 30 Studierende (Abb. 5) unter der örtlichen Grabungsleitung von Dr. Roland Prien und Dr. Carsten Casselmann auf der nicht sehr großen Ausgrabungsfläche. Unterstützt wurde das Heidelberger Uniteam in Fragen der Vermessung und der Dokumentation vom Grabungstechniker der Direktion Landesarchäologie – Speyer sowie in fachlichen Fragen seitens der Verfasserin.
Ein Bagger wurde lediglich für den Abtrag des Oberbodens in Anspruch genommen, alle weiteren Tieferlegungen der Oberfläche erfolgten durch Handabtrag (Abb. 6). So mancher Erstsemestler ging in den ersten Tagen der sechswöchigen Grabungsdauer mit Blasen an den Händen nach Hause; diese sollten sich aber im Laufe der Grabung in „feldarchäologiegerechte“ Schwielen verwandeln.

Die Möglichkeit, aufgrund der vielen Grabungsteilnehmer alle Erdarbeiten von Hand auszuführen und den Erdboden sukzessive in dünnen Schichten abzutragen, ermöglichte Beobachtungen und Funddokumentationen, die bei „normalen“ Rettungsgrabungen der Denkmalpflege mangels Zeit, Arbeitskräften und Finanzmitteln in der Regel nur eingeschränkt realisierbar sind. Insofern stellten die Beobachtungen während der Lehrgrabung eine höchst willkommene Ergänzung und Erweiterung der Erkenntnisse dar, die bei der ersten Grabung 2002 gewonnen worden waren. Die Ergebnisse waren so interessant, dass es auch Institutsleiter Prof. Joseph Maran häufig auf die Grabungsfläche nach Haßloch zog.

Bereits in den Schichten knapp unter der Humusdecke, in denen aufgrund einer nachneolithischen Bodenbildung keine Befunde wie Gruben, Gräbchen oder Pfostenstandorte erkennbar waren, ließen sich aber Konzentrationen von Funden feststellen, die auf das Vorhandensein archäologischer Strukturen hindeuteten. Die Fundansammlungen wurden akribisch dokumentiert, eingemessen und geborgen; dabei konnten, die frühneolithischen Befunde teils überlagernd, überraschenderweise auch Belege für eine mittelneolithische Besiedlung des Areals (Rössener Kultur, ca. 4600–4300 v. Chr.) identifiziert werden.
Die per Hand abzutragenden Bodenschichten, bis das Niveau erreicht war, auf dem die anhand der Luftbilder zu postulierenden bandkeramischen Hausgrundrisse erkennbar werden würden, erwiesen sich als mächtiger denn vermutet. Deshalb wurde, um zumindest einen Teilbereich der abgeschobenen Fläche bis zum Ende der Grabungszeit ordnungsgemäß fertig graben und dokumentieren zu können, die Gesamtfläche halbiert und die Arbeit auf die nördliche Hälfte konzentriert. Hier gelang es dann auch am Ende der Kampagne, die ersten Nordwest-Wandgräbchen zweier bandkeramischer Häuser zu identifizieren.
Um die andere Teilfläche aber auch während dieser Grabungszeit noch sinnvoll auszunutzen, wurde ins Auge gefasst, hier eine geophysikalische Prospektion durchzuführen, um, ohne die störenden modernen Metallreste, die sich normalerweise im Ackerhorizont finden, einen besseren Überblick über die bei einer Folgegrabung zu erwartenden Befunde zu gewinnen. Die geomagnetische Prospektion wurde dankenswerterweise von Thomas Link M.A., Universität Würzburg, unterstützt von einigen Archäologiestudenten, durchgeführt und erbrachte unerwartet klare und vielversprechende Ergebnisse (Link 2008).
Im Frühjahr 2009 erfolgte eine weitere Lehrgrabung in Haßloch, bei der die zweite Teilfläche untersucht wurde, die bei Grabungsende der Kampagne 2008 mit Geoflies abgedeckt und dann zum Schutz der Befunde wieder überschüttet worden war. Wie erwartet wurden dabei die bereits in der Geoprospektion erkannten vier einander überschneidenden Hausgrundrisse freigelegt. Die Mehrphasigkeit der bandkeramischen Siedlung, die bereits aufgrund der Ergebnisse der Grabung der Direktion Landesarchäologie Speyer im Jahr 2002 bekannt war, erfuhr somit durch die Ergebnisse der Kampagnen 2008 und 2009 eine erneute Bestätigung.

Im Jahr 2011 wurden die Arbeiten im Areal der bandkeramischen Siedlung wiederum mit einer Lehrgrabung der Universität Heidelberg, unter der örtlichen Leitung von Dr. Carsten Casselmann, fortgesetzt; sobald die Grabungsdokumentation fertig gestellt und ein erster Überblick über das Fundmaterial gewonnen worden ist, soll auch über diese Kampagne berichtet werden. Auch für die kommenden Jahre sind weitere Kooperationsprojekte mit dem Institut für Vor- und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie im Bereich von Lehrgrabungen in Haßloch geplant.
Andrea Zeeb-Lanz


Literatur:
Link 2008
Th. Link, Geomagnetische Prospektion der bandkeramischen Siedlung Haßloch.
www.vfg.uni-wuerzburg.de/forschung/projekte/magnetometer_prospektionen/bandkeramische_siedlung_hassloch/

Zeeb-Lanz/Fischer 2003
A.Zeeb-Lanz/Bernd Fischer, Linearbandkeramische Siedlung Hassloch, Kreis Bad Dürkheim. Erste bandkeramische Hausgrundrisse der Pfalz freigelegt. Archäologie in Rheinland-Pfalz 2002 (2003) 21-23.


Archäologische Ausgrabung

Luftbild des Kastells von Norden.

Rheingönheim, „Sommerfeld“, (Giulini-Deich), 2008 – 2009

In der Flur „Sommerfeld“ liegt ein altbekanntes römisches Kulturdenkmal im Boden verborgen. Es handelt sich dabei um das Lager einer römischen Hilfstruppe, ein sog. Auxiliarkastell. Diese Anlage stellt die einzige militärische Einrichtung römischer Art dar, die links des Rheines (fast) direkt an dessen Ufern heute noch vorhanden und nicht modern überbaut oder zerstört ist. In Luftbildern lassen sich der Kastellgraben der östlichen Lagerhälfte und die beiden Lagerstraßen  deutlich als Bewuchsmerkmale erkennen.

Nach Ausweis der bekannten datierbaren Funde vom Kastellareal (Münzen, Keramik) wurde das Kastell Anfang der 40er Jahre des 1. Jhd. n. Chr. errichtet und ging vermutlich durch ein Schadensfeuer/Zerstörung Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre zugrunde.[...]

[...] Insgesamt haben die Grabungsarbeiten auf dem Gelände des neuen Deiches außerordentlich wichtige und teilweise bisher völlig unbekannte Befunde wie z.B. die mächtige Toranlage des älteren Kastells, erbracht. Das Bild der kulturellen Entwicklung am Rhein südlich von Ludwigshafen in römischer Zeit wird durch wichtige Details ergänzt und muss zum Teil, angesichts der Konstruktion der Lagerumwehrung und der Toranlage des älteren Kastells, neu zu interpretieren sein. Funde die verbrannten Toten aus einem Hauskeller, aber auch die großen Mengen an Keramik und sonstigen Artefakten stellen eine erhebliche Bereicherung unserer Kenntnis des kulturellen Lebens in der Ludwigshafener Region in den ersten Jahrhunderten nach Christus dar.

Andrea Zeeb-Lanz
Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz
Direktion Landesarchäologie
Außenstelle Speyer

Grabungsbericht

Download-Icon Grabungsbericht Kastell 2008 2009 (1.99 MB)
Laden Sie hier ausführlichen Grabungsbericht als PDF-Dokument herunter.
Abb 1: Spelzgerste (Hordeum vulgare/distichon;  [Maßstab in allen Abbildungen = 1mm]
Abb 1: Spelzgerste (Hordeum vulgare/distichon; [Maßstab in allen Abbildungen = 1mm]
Abb 2: Spreureste
Abb 2: Spreureste
Abb 3: Flughafer (Avena fatua)
Abb 3: Flughafer (Avena fatua)
Abb 4: verschiedene Mohnarten (Papaver dubium/rhoeas)
Abb 4: verschiedene Mohnarten (Papaver dubium/rhoeas)
Abb 5: Papaver argemone
Abb 5: Papaver argemone

Getreidevorrat im verbrannten Keller – botanische Untersuchungen in Rheingönheim

Aus dem im Bericht zu Rheingönheim beschriebenen Keller, der in einem Schadensfeuer zerstört wurde, stammen die Überreste eines großen Getreidevorrats. Bereits auf der Grabung waren große Mengen an Getreide mit bloßem Auge zu erkennen und drei umfangreiche Proben für botanische Untersuchungen wurden genommen.

Bei der Analyse stellte sich heraus, dass es sich um einen verkohlten Vorrat von Spelzgerste (Hordeum vulgare/distichon; Abb. 1 [Maßstab in allen Abbildungen = 1mm]) handelte.

Die Körner waren bereits entspelzt und nur wenige Spreureste (Abb. 2) in den Proben enthalten, auch andere Getreidearten und Ackerunkräuter konnten nur in sehr geringen Mengen nachgewiesen werden. Hier wurde also ein sehr reiner Vorrat eingelagert, der seit der Ernte schon mehrere Arbeitsschritte durchlaufen hatte. Das häufigste Unkraut stellt die Kornrade (Agrostemma githago) dar, ein lästiges Ackerunkraut bereits in der Römerzeit. Die Samen dieser Pflanze unterscheiden sich in Gewicht und Größe nur wenig von Getreidekörnern und lassen sich deshalb mit den üblichen Reinigungsschritten kaum vom Getreide trennen. Sie können allenfalls durch mühsames Auslesen von Hand entfernt werden.

Dasselbe gilt für den Flughafer (Avena fatua [Abb.3]), was jedoch weniger bedenklich ist, da dieser im Gegensatz zu den Kornradesamen keine Giftstoffe enthält.

Auffällig sind die hohen Fundzahlen verschiedener Mohnarten (Papaver dubium/rhoeas [Abb.4] und Papaver argemone [Abb. 5]), deren Samen aufgrund ihrer geringen Größe im Allgemeinen eher schlechte Erhaltungschancen haben. Das Vorhandensein von Mohnsamen und die gute Erhaltung der Gerste – es sind nur wenig Getreidebruchstücke vorhanden – verweisen auf ein Verkohlen des Vorrats vor Ort; eine nachträgliche Umlagerung nach der Zerstörung dürfte nicht erfolgt sein. Die Standortbedingungen einiger Unkrautarten deuten darauf hin, dass der Vorrat eine Mischung von Ernten verschiedener Äcker sein dürfte: so wachsen der Sand-Mohn (Papaver argemone) oder der Ackerspörgel (Spergula arvensis) auf eher sauren Böden, während Arten wie Großblütiger Breitsame (Orlaya grandiflora) und der Acker-Schwarzkümmel (Nigella arvensis) auf kalkhaltigen Standorten gedeihen.

Tanja Merkle

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